Das Leben ist zur Hetzjagd geworden

Die Beute, die wir jagen, ist das Perfekte. Das Perfekte hat tausend Gesichter: den perfekten Körper, das perfekte Haus, den perfekten Job und perfekten Partner, Anerkennung, Geld, Einfluss, ein boomendes Business, Charisma, einen gigantischen Freundeskreis, Weltreisen, Mondreisen, Siege, Medaillen.

Wir rennen diesen Zielen hinterher und hoffen, dass sie irgendwann ermüdet aufgeben und wir sie erlegen können. So läuft die klassische Hetzjagd ab, das Gegenteil der Lauerjagd, bei der die Jäger geduldig auf die Beute warten.

Mit den meisten Zielen hetzen wir uns nur selbst ab. Wir brechen zusammen, weit bevor wir sie erreicht haben. Aus den Zielen wuchern Pläne und To-Do-Listen. Lang genug, um ganze Klopapierrollen damit bedrucken zu können. Viel zu lang für die 16 Stunden, die uns nach dem Schlafen bleiben: wir wollen in der Arbeit Bäume ausreißen, uns vor den Kollegen behaupten, gesund ernähren, ins Fitnessstudio gehen, Yoga machen, dem Partner viel Zeit schenken und den Kindern. Am Ende des Tages ist oft die Hälfte aller Vorsätze unerledigt. Und wir fühlen uns mies. Frustration. Schlechtes Gewissen.

Leben ohne Ziele? Jein, wir dürfen auch atmen und leben.

Foto:
Bremmer Calmont 30.08.2018
Philipp Bohn

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